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Nationalpark: Minister lobt Bürgerbegehren

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Bei dreistündigem Fachgespräch warfen Expertinnen und Experten ein Blick in die Zukunft

Paderborn. „Ein Nationalpark ist nicht nur ein Naturschutzgebiet, vor dem man ein Schild aufstellt. Es ist eine Marke, die eine Region attraktiv macht“: Aus seinem Wunsch, einen zweiten Nationalpark in NRW auszuweisen, machte Umweltminister Oliver Krischer (GRÜNE) bei seinem Besuch in Paderborn keinen Hehl. Knapp 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Fachgesprächs über den Nationalparks Egge nutzten knapp drei Stunden die Gelegenheit, Fragen zum Stand der Dinge zu stellen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Mehrere Referentinnen und Referenten leisteten zu interessanten Themen wertvolle Beiträge. Christoph Rüther, Landrat des Kreises Paderborn, Friedel Heuwinkel, Präsident Deutscher Naturparke, Carolin Bockhoff, kommissarische Geschäftsführerin Naturpark Teutoburger Wald, Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz, Hans Jürgen Wessels, Vorsitzender des Fördervereins Nationalpark Senne-Eggegebirge, Benedikt Rasche, Vertreter Bündnis Bürgerbegehren Egge, Christian Schulte, Tischlermeister aus Lichtenau und Katharina von Ruschkowski, Biolandwirtin und Autorin waren auf Einladung der Grünen Landtagsabgeordneten Norika Creuzmann im Restaurant Gerold zusammengekommen, um ihre jeweiligen Positionen zu verdeutlichen.

Die Entscheidung des Kreistags Höxter, sich nicht um den Nationalpark zu bewerben, bedauert der Umweltminister. Diese Entscheidung müsse man respektieren. Gleichzeit sei auch ein Bürgerbegehren völlig legitim. Das gehöre zum demokratischen Prozess. „Ich finde es toll, dass Sie sich in dieser Weise engagieren“.  An längeren Zeitläufen zur Willensbildung werde ein Bewerbung sicher nicht scheitern, meinte der Umweltminister mit Blick auf den anvisierten Bewerbungsschluss Ende März. Ein Endlosprozess dürfte es aber auch nicht werden, mahnte er gleichzeitig. Wenn die Bewerbungen vorliegen, werde sich das Ministerium nicht wie bei einer Papstwahl in eine Konklave begeben und hinter verschlossenen Türen eine Nationalparkverordnung ausknobeln. Ganz im Gegenteil: Vor Ort müssten gemeinsam mit der Bevölkerung viele Detailfragen zum Nationalpark geklärt werden. Dabei gehe es zum Beispiel  um genaue Kulisse, Wegekonzept, Besucherinformation, Flächenentwicklung und die Fragen der Nationalpark-Infrastruktur . Die Kommunen werden  über einen Nationalpark-Ausschuss eingebunden, so wie es auch in der Eifel seit 20 Jahren erfolgreich praktiziert werde. Thomas Hüvelmeier vom Naturwissenschaftlichen Verein forderte angesichts vieler Fakenews vor allem in Sozialen Medien mehr Sachinformationen aus Düsseldorf. „Es ist sehr schade: Ganz offensichtlich gezielt verbreiten Menschen Falschbehauptungen über Nationalparks, um andere zu verunsichern. Wir werden die Fakten noch einmal klar und unmissverständlich zusammenstellen.“

Wie steht es um das Bürgerbegehren in den Kreisen Höxter und Paderborn? Moderatorin Tanja Busse bat Landrat Christoph Rüther um Klarstellung: Am 2. Februar werden sich der Umwelt- und der Wirtschaftsförderungsausschuss in öffentlicher Sitzung mit dem Nationalpark befassen. Sollte es zum Bürgerentscheid kommen, werde der Kreis die Bewerbung unterstützen, sofern 15 Prozent der Wahlberechtigten mit Ja abstimmen. Hans Jürgen Wessels sekundierte, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass das Ergebnis der repräsentativen Umfrage beim Bürgerentscheid auf den Kopf gestellt wird. Allerdings müsse das Quorum von 40000 Stimmen erreicht werden. Er geht davon aus, dass mit Ende des regnerischen Wetters die Unterschriftensammlung wieder starken Schwung aufnehmen wird. In Höxter liegen bereits 3800 von 6000 benötigten Stimmen vor „und die müssen wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch haben“, betonte Benedikt Rasche.

„Naturpark und Nationalpark Hand in Hand: Chancen für Tourismus und regionale Wirtschaft“ lautete der Titel des dritten Themenblocks an diesem Nachmittag. 104 Naturparke gibt es in Deutschland und bilden 28 Prozent der Fläche, erläuterte Friedel Heuwinkel. Viele Naturparke umgeben die Nationalparke und können gut die Besucherlenkung übernehmen. Zudem sind sie näher an den Eigentümern sowie den Land- und Forstwirten, was beim Fachaustausch hilft. Carolin Bockhoff betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit. Wenn der Nationalpark kommt, sei man gute Kooperationspartner, weil man gleiche Ziele verfolge. Wegen der unterschiedlichen Finanzierung werde eine Koordinierungsstelle benötigt. Umweltminister Krischer fügte hinzu, dass Naturparke bislang projektbezogen gefördert werden, man nun aber eine institutionelle Förderung einführen wolle. Denn insbesondere die touristischen Attraktionen finden nicht im Nationalpark, sondern in der Umgebung im Naturpark statt, so Krischer. Anne Birkelbach, Kreisvorsitzende der GRÜNEN, monierte darum die Aussagen der CDU, die gerne von einem „Naturpark plus“ sprechen, „ohne dies mit Inhalt zu füllen“. Naturschutz und touristische Aufgaben lassen sich mit der Kombination Nationalpark – Naturpark gut verknüpfen.

Deutliche Worte über die Holzlobby fand Tischlermeister Christian Schulte: Diese würde die Bevölkerung bewusst falsch informieren. Die Holzverarbeiter müssten bei allen Fragen rund um den Nationalpark frühzeitig mitgenommen werden und Wege aufgezeigt bekommen. Insbesondere die Generation zwischen 15 und 45 würde mit falschen Infos versorgt. Deren Reaktion liefe dann hinaus auf den Satz „je größer mein Traktor, je größer meine Meinung“. Die Journalistin Katharina von Buschkowski hat bereits viel zum Thema Nationalpark recherchiert und unter anderem in der Zeitschrift GEO veröffentlicht. „Viele Menschen sind sich ihres Naturschatzes nicht bewusst“, erklärte sie. Sie selbst habe dies auch erst mit räumlichen Abstand erfahren. Ihre Erfahrung: Wenn man Aufruhr in eine Region bekommen will, gehe dies am besten über einen Nationalpark. Gleichwohl sei die Zeit reif, etwas zu tun – und viele seien am Ende dafür, „sobald es vor der Haustür ist“.

Otmar Lüke, Kreisvorsitzender des NABU, erklärte, dass der zweite Nationalpark in NRW nur nach Westfalen gehen könne. Für die Geburt des Nationalparks Egge stelle er darum das Prinzenpalais in Bad Lippspringe gerne zur Verfügung. Jörg Schlüter, Kreistagsmitglied der GRÜNEN, forderte nun die volle Aufmerksamkeit auf die Sammlung der Unterschriften zu legen – die erlebte Diskussion müsse eigentlich  erst nach dem Erfolg stattfinden.

Norika Creuzmann zitierte zum Abschluss die Studie von Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: Von den neun planetaren Grenzen sind sechs schon gerissen. Das Kerngeschäft eines Nationalpark, der Schutz der Natur, kann hier ein klein wenig Abhilfe schaffen. Vor Ort gelte es, die vielen großartigen Naturschätze deutlich nach vorne zu stellen.

Karsten Otte lobte in seinem Schlusswort die konstruktive Stimmung der Runde. Man sei erheblich vorangekommen, „wenngleich es noch ein weiter Weg ist“.

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